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170922 Frank Witzel c Gianni Plescia

»Erstens : Der Körper des Menschen ist wie eine Zwiebel,die über sich selbst weint.
Zweitens : Das Gehirn des Menschen ist wie eine Walnuss,die über sich selbst nachdenkt. Und drittens : Der Tod kennt weder Zeit noch Hobel.«

Deutschland in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es herrscht Krieg im Frieden, aller Umerziehung zum Trotz. Körperteilopferungen werden ausgestellt und das Waisenhaus brennt. Flugzeuge stürzen ab, Züge entgleisen, die Pläne zur Weltmechanik sind unauffindbar. Kinder gründen eine neue Religion und ersticken unter Lawinen. Der begabte Zögling Fählmann verlässt das Waisenhaus nicht mehr. Der Kretin hängt unter der Decke
und beobachtet seine Eltern. Siebert steht am Fenster. Er wartet auf Marga. Doch Marga scheint verschwunden. Ihr Körper nicht mehr auffindbar. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in diesem unheimlichen Buch von Frank Witzel unermüdlich nach dem, was wirklich geschah. Die Stimmen versuchen, Geschichte durch Geschichten zu erfassen. Sie tasten nach Gründen und werfen mit jeder Frage neue Fragen auf. Gewissheit wird zur
Illusion, das Imaginierte zum letzten Zufluchtsort. So steigt der Leser immer tiefer in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen.

Frank Witzel, 1955 in Wiesbaden geboren, ist Schriftsteller, Zeichner und Musiker. Für seinen 2015 bei Matthes & Seitz Berlin erschienenen Roman »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager« im Sommer 1969« wurde er mit dem Deutschen Buchpreis 2015 ausgezeichnet.

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