Gottesdienst zum Israelsonntag am 16. August 2020 10.00 Uhr in der Stadtkirche
Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, im Gespräch mit Pfr. Karsten Gollnow

 

Musik: Angela Elsäßer, Violoncello
               Antje Reichert, Violine

 

Am 10. Sonntag nach Trinitatis, dem Israelsonntag, möchten Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, und Pfarrer Karsten Gollnow eine kleine Tradition fortsetzen, die letztes Jahr relativ spontan entstanden ist: Vor einem Jahr war der damalige Rabbiner der Darmstädter Jüdischen Gemeinde Jehoshua Ahrens am Israelsonntag zu Gast in der Stadtkirche und es kam zu einer sehr angenehmen, auch von gegenseitiger Neugier geprägten Begegnung. in einem offenen Predigtgespräch wollen Daniel Neumann und Karsten Gollnow diese spannende Begegnung fortsetzen: Welche Geschichte hat jüdisches Leben eigentlich in Darmstadt? Und wie konnte das jüdische Leben nach 1945, nach der Vertreibung und Ermordung der jüdisch gläubigen Darmstädter, überhaupt wieder beginnen? Wie stellt sich jüdisches Leben heute in Darmstadt dar? Ist es anders, auch komplizierter, als Darmstädter mit einer jüdischer Religion zu leben als evangelisch, katholisch oder muslimisch zu sein? Hat sich jüdisches Leben verändert in den letzten Jahren? Ist ein Antisemitismus spürbarer geworden? Und was können beide Religionen in der heutigen Zeit beitragen für Frieden, Stärkung der Menschenrechte und Völkerverständigung?
Daniel Neumann ist seit 2003 im Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen tätig, seit 2006 ist er Direktor des Verbandes. Neben dieser Tätigkeit ist Neumann seit 2008 Richter des Schiedsgerichts beim Zentralrat der Juden in Deutschland. 2008 wurde Neumann ehrenamtlicher Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und 2017 zum Vorsitzenden gewählt. Im Jahr 2018 rief er die Jüdischen Kulturwochen Darmstadt ins Leben, die seither von der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Darmstadt ausgerichtet werden. Neumann unterstützt als Mitglied die Initiative Prominent gegen Rassismus und ist in der Leitungsgruppe des Projektes Schulter an Schulter (SAS) der Stiftung gegen Rassismus aktiv.
Der sog. „Israelsonntag“ erinnert seit dem 16. Jahrhundert an den Gedenktag der Zerstörungen des Jerusalemer Tempels. Doch während in der Vergangenheit die Überlegenheit des Christentums demonstriert wurde, stehen heute die Trauer über das Unrecht, das den Juden angetan wurde, sowie die heutigen guten Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund.

Stadtkirche nimmt an „Night of Light“ am Montag, 22. Juni, teil
Gebäude erstrahlt in Rot als Appell und Hilferuf zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft

Mehr als drei Monate keine Konzerte, Kongresse, Messen, Festivals, Theateraufführungen – Großveranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern sind auch weiterhin nicht möglich. Einem kompletten Wirtschaftszweig, der Veranstaltungswirtschaft, wurde und wird aufgrund der Corona-Krise die Arbeitsgrundlage entzogen. Wo Veranstaltungen unter strengen Hygiene-Vorschriften erlaubt sind, sind sie oft kaum mehr wirtschaftlich durchführbar.

Darauf will die Aktion „Night of Light“ in der Nacht vom Montag, 22. Juni, bundesweit aufmerksam machen. Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft und Veranstaltungsorte wie Kongresshäuser oder Spielstätten wie Theater oder Konzerthallen erstrahlen dann in Rot, um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen. Ein „flammender Appell und Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft“ soll es sein, sagt Moritz Herdt. Der Lichtdesigner aus Groß-Zimmern ist auf die Evangelische Stadtkirche in Darmstadt zugegangen, die sich jetzt an der Aktion beteiligt. Der Kirchturm eigne sich laut Herdt besonders als eines der höchsten Gebäude der Stadt, da er aus allen Richtungen gut sichtbar sei und als „Leuchtturm“ große Aufmerksamkeit erregen würde. Mit LED-Flutern wolle der Beleuchtungsfachmann die Stadtkirche in ein „sattes Rot“ tauchen. Unterstützt wird die Aktion neben Herdts Firma Moe Lighting außerdem von den Firmen SEC aus Münster und Tonwerk aus Groß-Zimmern.

Der Kirchenvorstand der Stadtkirchengemeinde will mit der Teilnahme an der „Night of Light“ ein Zeichen setzen zur Unterstützung von Veranstaltern und Künstlern, „zumal wir selbst Veranstalter sind und ich mit vielen in ihrer Existenz bedrohten Künstlerinnen und Künstlern zu tun habe“, sagt Stadt- und Kulturkirchenpfarrer Karsten Gollnow. Er habe ihnen „nun schon mehrfach schweren Herzens ihre zugesagten Veranstaltungen in der Stadtkirche absagen“ müssen. „So wird die Stadtkirche in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni solidarisch mit Künstlerinnen und Künstlern, Musikerinnen und Musikern sowie Veranstaltenden in rotem Licht erstrahlen“, so Gollnow. Und es werde ein „Trotz(t)-Corona-Herbstprogramm“ in der Stadtkirche geben für Literatur und Jazz.

Wolfgang Weinrich, Pfarrer im Ruhestand, und selbst jetzt mit Lesungen und Kabarett als Künstler unterwegs, hat sich für die Aktion in Darmstadt eingesetzt: „Als ehemaliger Programmverantwortlicher für große Events der Evangelischen Kirche bei Hessentagen und Landesgartenschauen leide ich mit allen in der Veranstaltungswirtschaft“, sagt der frühere Verantwortliche für Kommunikationsprojekte in der EKHN, „die Branche droht zu sterben! Der leuchtende Appell an allen wichtigen Gebäuden soll uns ins Herz brennen.“ Die Farbe Rot erinnere daran, wie wichtig Messen, Kongresse, Theater, Tagungen oder Feste auch in Zukunft sind.