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Gottesdienst am Sonntag, 05. April 10.00 Uhr
Glaubensprüfungen
Der gute Mensch von Sezuan, Bert Brecht

»Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon« (Lk.16,8f.).

Brechts Lehrstück »Der gute Mensch von Sezuan« hinterfragt Autorität. Selbst die Liebe und das Gut-sein werden zum Problem. Wie kann ein Mensch gut sein, wenn die Verhältnisse diesen »Luxus« nicht hergeben? Wieviel Lüge und Verstellung verlangen die Götter von ihren Gläubigen in diesem Stück? Sie wollen nur eine gute Tat sehen, deren Preis verleugnet werden soll. Brecht erteilt damit einer Religion, die sich in Formeln und Bigotterie erschöpft, eine deutliche Absage. Dennoch träumt er mit dieser Kritik zumindest implizit von dem, was alternativ kommen müsste. Eine gerechtere Welt, in der Gut-sein möglich wäre; in der freie Menschen mit Vernunft und Herz zu sich stehen dürfen, weil eine gerechte Ordnung genau das ermöglicht.

Oliver Brunner
ist seit 2016 Schauspieldirektor am Staatstheater Darmstadt. Von 2006 bis 2011 war er Künstlerischer Direktor und Stellvertreter des Intendanten am Bayerischen Staatsschauspiel. 2011/12 übernahm er die Gesamtleitung der 30. Bayerischen Theatertage 2012 am Theater Augsburg. Ab der Spielzeit 2012 /13 war er als Schauspieldramaturg, Produktionsleiter und Stellvertreter der Intendantin Juliane Votteler am Theater Augsburg beschäftigt.

Liturgie: Karsten Gollnow
Musik: Michael Veit, Staatsorchester Darmstadt

Der gute Mensch von Sezuan, Bert Brecht
8./15.5./11./8./25.6./9./10.7. Staatstheater
Erzählt wird die Geschichte einer moralischen Frau, die ein Dilemma hat: Die himmlische Macht schaut in diesem Stück mit Sorge auf die Menschen, denn deren Moral zerfällt beunruhigend schnell. Drei Götter werden in die chinesische Provinz Sezuan entsandt, um die letzten guten Menschen zu finden. Nur bei der Prostituierten Shen Te haben sie Glück: Trotz ihrer eigenen Not bietet diese den getarnten Göttern ein Nachtquartier an. Als Dank erhält sie 1000 Silberdollar. Von dem Geld erwirbt Shen Te einen Tabakladen. Doch bald ist sie fast schon wieder ruiniert. Zahlreiche Hilfsbedürftige kommen zu ihr und nutzen ihre Gutmütigkeit schamlos aus. Shen Te erkennt, so wird das nichts. So erfindet sich Shen Te einen Vetter, Shui Ta, in dessen Maske sie schlüpft, um gegen die, die sie ausnutzen wollen rigoros vorzugehen. Shui Ta verrichtet schnell und skrupellos sein Werk und rettet Shen Te damit vor dem Ruin. Doch dann verliebt sie sich in den arbeitslosen Flieger Yang Sun, und muss erkennen, dass dieser sie nur wegen ihres Geldes heiraten will. Selbst die Liebe ist ein Geschäft und Shen Te lernt: Nur wer seine moralischen Maßstäbe an die kapitalistische Welt anpasst, kann überleben.

Musikalische Gestaltung am Sonntag, 05. April
Michael Veit, Violoncello

Programm
Egon Wellesz, Sonate für Violoncello solo
Johann Sebastian Bach, Sarabande G-Dur, aus der Suite G-Dur Nr. 1 für Violoncello solo BWV 1007
Johann Sebastian Bach, Sarabande C-Dur, aus der Suite C-Dur für Violoncello N r. 3 BWV 1009
Michael Veit ist seit 1986 1. Solocellist im Orchester des Staatstheaters Darmstadt. 1992 gewann er den Jean-Frédéric-Perrenoud Preis beim Wiener Internationalen Wettbewerb. Michael Veit brachte etliche Stücke für Cello solo zur Uraufführung und viele Werke (auch Kammermusik) entstanden für ihn oder sind ihm gewidmet. Aufnahmen mit ihm als Solist oder Kammermusiker liegen in den Archiven von WDR, Deutschlandfunk, BR, ORF und SWR. 2006 veröffentlichte er eine CD, die Mitschnitte von Uraufführungen von Solo-Werken, sowie eine Live-Aufnahme der Sequenza XIV von Luciano Berio enthält. Michael Veit ist Begründer und Spiritus Rector der Kammermusikreihe »Soli fan tutti« am Staatstheater Darmstadt, die seit 1992 durch »interessante und ungewöhnliche Programme überzeugt« (Klaus Trapp) und 2009 mit dem Darmstädter Musikpreis ausgezeichnet wurde.