Zum Jahreswechsel


Liebe Mitglieder der Stadtkirchengemeinde,
liebe Freundinnen und Freunde!


Das zu Ende gehende Jahr hat uns alle in ganz unterschiedlicher Art und Weise
belastet und herausgefordert. Es hat uns geschüttelt und schwanken lassen zwischen
Angst und Zuversicht.
Die Corona-Pandemie hat seit dem Frühjahr unser aller Leben auf den Kopf gestellt
und uns eine Achterbahn der Gefühle beschert: Angst, Erschöpfung, Wut, aber auch
Lebensfreude und Hoffnung; für die Älteren bedeutete sie radikale
Kontaktbeschränkungen, für andere Homeoffice, Homeschooling, Kurzarbeit oder
sogar keinerlei Einkünfte mehr im ersten und zweiten Lockdown. Veranstaltungen
werden abgesagt, ebenso Präsenzgottesdienste.
Der Sommer brachte ein einigermaßen normales Leben zurück. Der Aufenthalt im
Freien machte vieles einfacher und erträglicher und hinterließ teilweise den Eindruck,
die Pandemie sei vorbei.
In der kalten Jahreszeit mit dem zweiten Lockdown und den dramatisch steigenden
Zahlen war allerdings schnell klar, dass das Virus noch lange unser Leben prägen
und es wohl auch nachhaltig verändern wird.
Mit dem zu Ende gehenden Jahr verbinden sich auch manche persönlichen
Schicksale: Trauer, Verlust, Einschläge. Doch ist da Hoffnung am Horizont: Das
Impfen hat begonnen und nach und nach werden wir – so wir denn wollen – geimpft
werden.
Abstand halten und Maske tragen werden vermutlich noch eine ganze Weile zu
unserem Leben gehören, zu unserem eigenen Schutz und dem unserer Mitmenschen.
Ein Umgang miteinander, wie wir ihn vor Corona kannten, wird noch lange nicht
möglich sein. Die Pandemie zeigt uns, wie verletzbar wir sind und wie angewiesen
auf andere.
„Back to normal nicht möglich und nicht wünschenswert“, war im ersten Lockdown
irgendwo zu lesen und es beschäftigt uns bis heute. Denn uns wurde deutlich
bewusst, wie schnell und hektisch unser Leben normalerweise läuft. Mit dem
Ausgebremstsein kamen unweigerlich die Fragen: Wie lebe ich? Wie will ich in
Zukunft leben und arbeiten? Wie wichtig ist mir Familie, sind mir Kontakte zu
Menschen? In dieser Zeit wurden per Telefon, Briefen, Mails ober bei Spaziergängen
mit Abstand so ganz anders Kontakte und Beziehungen gepflegt. Wir haben aber
auch Menschen verloren. Manches ist zerbrochen, auch Freundschaften – dort, wo
die Meinungen über das Virus Menschen entzweit haben.
Das „Fürchtet euch nicht – Gott bei euch“ von Weihnachten ist noch in den Ohren
und im Herzen. Und: Wir setzen auf die Menschen, die guten Willens sind. Auf die
Hoffnung, die weiterhin jede Menge Energie freisetzt, auf den Einfallsreichtum der
Menschen. Auf die Gabe, Dinge zum Guten zu wenden, was ja tagtäglich geschieht,
dort wo Menschen sich gegenseitig unterstützen.
Tun Sie das bitte weiterhin, wenn es Ihnen möglich ist – für Brot für die Welt, wo in
diesem Jahr ein Großteil der Weihnachtskollekten fehlt. Oder für die Einzelfallhilfe der
Stadtkirchengemeinde, mit der wir schnell und unbürokratisch Einzelnen und
Familien helfen können. Unser Spendenkonto finden Sie auf unserer Homepage und
im Gemeindebrief-Extra.
Wir hoffen auf ein neues Jahr, in dem persönliche Begegnungen wieder mehr
möglich sind und das Leben wieder unbeschwerter ist und nicht – egal in welcher
Hinsicht – existenziell bedroht.
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(Dietrich Bonhoeffer, im Dezember 1944 im Gefängnis der Gestapo)
Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass Sie in diesen bewegten Zeiten etwas davon
spüren, immer wieder getragen, behütet und getröstet wunderbar zu sein. Weil Gott
mit uns geht, mit uns durch alles hindurch geht – jetzt erst recht.

Ein gesegnetes Jahr 2021 wünscht Ihnen Ihre Evangelische Stadtkirchengemeinde.


Ihre Pfarrerin                                 Ihr Pfarrer
Anita Gimbel-Blänkle                   Karsten Gollnow

Beten
Stell dich neben mich, Gott.
Schau mit mir auf dieses Jahr.
Was zerbrochen ist, das willst du heilen.
Was finster ist, das willst du hell machen.
Schütte deinen Segen über mich aus
und über alle, die mir lieb sind.
Bleibe bei uns.
Heute und immer.
Amen                                (© Zentrum Verkündigung der EKHN)


 

#lichtfenster

Ein Zeichen der Solidarität für die Corona-Opfer

In diesen Wochen sterben in Deutschland täglich hunderte Menschen als Folge der Corona-Pandemie. In diesen dunklen Stunden möchten wir einen Weg aufzeigen, wie die Menschen ihre Trauer und ihr Mitgefühl ausdrücken können. Deshalb rufen wir gemeinsam mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zur Aktion #lichtfenster auf.

Stellen Sie an jedem Freitag bei Einbruch der Dämmerung ein Licht gut sichtbar in ein Fenster als Zeichen des Mitgefühls: in der Trauer um die Verstorbenen, in der Sorge um diejenigen, die um ihr Leben kämpfen, Mitgefühl mit den Angehörigen der Kranken und Toten.

Das Licht leuchtet Ihnen in Ihrer Wohnung aber auch Ihren Nachbarn und den Menschen auf der Straße. Es soll ein Zeichen der Solidarität in dieser doppelt dunklen Jahreszeit sein: Ich fühle mit Dir! Meine Gedanken sind bei Dir!


Gebet zur Aktion #lichtfenster

Barmherziger Gott,

„Licht ist das Kleid, das du anhast (Ps 104, 2)
Deswegen zünde ich eine Kerze an
und stelle sie ins Fenster, um allen jenen zu leuchten,
die unter der Pandemie leiden, die besorgt sind und Angst haben,
die erschöpft sind von all der Hilfe, die sie geben wollen,
die verzweifelt sind wegen all der Überforderung und dem Streit, die sie erzwingt.

„Der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis licht.“ (Ps 18,29)
Ich bitte für alle, die allein sind und einsam,
die nicht besucht werden dürfen, die ohne Trost und Begleitung bleiben,
segne sie mit Deiner Gegenwart und mache alle,
die pflegen und versorgen, zu Engeln Deines Lichtes.

„Jesus Christus spricht: ich bin das Licht der Welt …“ (Joh 8,12)
Ich bete für alle Menschen, die an Corona erkrankt sind
und um ihr Leben kämpfen,
schenke Ihnen Licht und Luft, Kraft und Mut,
dass sie zurückfinden in ihr Leben.

„Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps 36, 10)
Auch bitte ich für alle Menschen,
die an Corona gestorben sind, hier und überall auf der Welt,
nimm sie auf in dein Reich und schenke Ihnen ein Licht, das ihre Seele wärmt,
und tröste alle, die weinen müssen um ihre Toten.

Gott, ich bitte dich aber auch für mich selbst und meinen Partner,
für meine Kinder und Enkel, für meine Familie und meine Freunde,
und für meine Feinde auch.
Segne und behüte sie und uns alle, dass wir Zuversicht und Hoffnung behalten
in diesen dunklen Zeiten.

Amen.